Liebster Blog Award.

Juhu, ich wurde von Untertauchen nominiert! Vielen Dank! 

Und jetzt darf ich darum die folgenden Fragen beantworten:

Worüber bloggst du und warum?

Ich blogge hier über meinen Alltag, über meine Biographie, über das, was mich gerade beschäftigt, alles in Bezug auf meine psychische Krankheit. Ich habe eine schizoaffektive Störung, lebe damit meistens ganz gut, getraue mich aber, seit ich deswegen einen Job verloren habe, nicht mehr, öffentlich dazu zu stehen. Dieses Blog habe ich eröffnet, um einerseits einen Schritt in Richtung Offenheit bezüglich meiner Diagnose zu tun, andererseits, weil ich erzählen möchte, wie mein Leben mit einer chronischen psychischen Krankheit aussieht. Für andere Betroffene, für Nicht-Betroffene, für Menschen ausserhalb meiner kleinen sozialen Blase. Und dann mache ich das auch einfach für mich selber. Schreiben tut mir gut, schreiben hilft mir, Ordnung im mein inneres Chaos zu bringen. Oft fühle ich mich besser, wenn ich gebloggt habe.

Welche Sprachen sprichst du und wie hast du sie gelernt?

Ich spreche Schweizerdeutsch, in einem Dialekt so breit wie der Hintern eines Haflingers. Den hab ich von meiner Familie gelernt. In der Schule habe ich dann hochdeutsch gelernt, meine Aussprache ist allerdings auch da mindestens so breit wie ein halber Hintern eines Haflingers. Ab der 5. Klasse musste ich Französisch lernen in der Schule. 9 Jahre lang habe ich Französisch gelernt, leider kann ich trotzdem kaum ein vernünftiges Gespräch führen in dieser Sprache. Dann musste ich Latein lernen im Gymnasium, später kam Altgriechisch dazu. Dafür hatte ich mehr Talent, allerdings sind das nicht Sprachen, die man spricht, ausser, man macht eine Zeitreise, plaudert mit dem Papst – oder kifft zu viel. Vor dem Englisch drückte ich mich erfolgreich, und so kam es, dass ich eine Matura machte, ohne auf Englisch auch nur fragen zu können, wo das Klo ist. Mit 19 erkannte ich, dass ich ohne Englisch doch nicht durchkomme und machte ein paar Wochen lang in Kanada einen Sprachaufenthalt, in Zuge dessen ich leider psychotisch wurde und so auf einem fremden Kontinent in einer Psychiatrie landete. Dennoch ist Englisch nach wie vor die Sprache, die ich nebst Deutsch am besten beherrsche. 2012 wollte ich mir einen Lebenstraum erfüllen und alleine durch Südamerika reisen. Zu diesem Zweck lernte ich spanisch, zuerst in der Schweiz, dann in Argentinien. Leider wurde ich wieder psychotisch (man nennt sowas auch „lernresistent“), landete wieder in einem Spital und musste wieder von einem Arzt aus der Schweiz zurück geholt werden. Leider hat mein Hirn danach das meiste Spanisch, das ich gelernt hatte, abgespalten. Ich kann ein paar Brocken sprechen, verstehe ein paar Wörter, aber richtig reden kann ich leider nicht mehr.

Wenn du etwas in der Welt verändern könntest, was wäre das?

Phü. Da weiss ich nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht einfach: Den gesamten Hass weltweit mit einem magischen Staubsauger einsaugen und danach dem Teil einen dermassen kräftigen Tritt verpassen, dass es direkt in die Sonne fliegt und dort verbrennt. Ja, ich bin da recht bescheiden.

Was möchtest du unbedingt noch tun, bevor du stirbst?

Gute Frage. Am Meer sitzen, mit meinem Freund. Auf einem Segelschiff ein Meer durchqueren, mit meinem Freund. Einen eigenen Garten anlegen. Malen. Ein Buch schreiben. Viele, viele Sonnenuntergänge beobachten. Noch einmal den Regenwald sehen. Mit meinem Freund den Himalaya bereisen. Ach, ich will noch lange nicht sterben, ich habe noch viel zu viel vor.

Welche Person hat dein Leben geprägt und wie?
Meine Grossmutter. Ich wuchs am Arsch der Welt auf einem Bauernhof in einer Grossfamilie auf, und meine Grosseltern, eine Grosstante und ein Onkel lebten auch da. Meine Grossmutter hat mich mit aufgezogen, vor allem dann, wenn meine Mutter psychisch wieder einmal schwer angeschlagen war. Sie war sehr religiös, meine Grossmutter, und sehr konservativ, sie war intelligent und hatte einen enorm starken Willen. Wir hatten oft Streit. Ich benahm mich nicht so, wie sich ein Mädchen in ihren Augen benehmen sollte. Als ich dann ein Teenager war, eskalierte es manchmal. Sie verstand mich nicht, ich verstand sie nicht, es wurde geschrien und geflucht und Türen geknallt. Ja, alles von mir, sie hat mich nie angeschrien, sie zeigte mir ihre Missbilligung anders. Schliesslich wurde sie immer älter, gebrechlicher und kränker, sie wurde dement, und dann starb sie, mit 83. Da war ich 18 und an dem Tag brach für mich eine Welt zusammen. Ich habe nur noch geweint, und niemand verstand, warum, ich selber am wenigsten. Sie war alt und krank, es war eine Erlösung. Und wir hatten ja sowieso meist keinen guten Draht zueinander. Aber sie war halt wichtig für mich, immer, und ich habe viel von ihr gelernt, darunter auch Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit. Ich vermisse sie immer noch, und ich bin nach wie vor so unglaublich traurig, dass sie nicht mehr miterlebt hat, wie ich erwachsen wurde, wie ich meinen Frieden fand mit der Welt, wie ich ein anständiges Leben führe, wie ich höflich und respektvoll mit alten Menschen umgehen kann, wie ich einen wunderbaren Mann kennen lernte, meinen Freund, den sie gemocht hätte, da bin ich mir sicher. Es ist so schade, das sie meinen Freund nicht mehr kennen gelernt hat.

Phü. Das war jetzt sehr ausführlich. Und ich kämpfe mit den Tränen.

Hast du Tattoo/Piercings? Wenn ja, wo und was? Was bedeuten sie?

Ich hatte ein Augenbrauen-Piercing, einen kleinen Ring, das ich mir mit 17 stechen liess. 17 war für mich ein wirklich schlimmes Alter, und das Piercing sollte mich auf immer daran erinnern, was ich in dieser Zeit alles durchstehen musste – und dass ich es überlebt hatte. Mit 29 riss ich es mir in Argentinien während der Psychose raus, ich glaube, im Gefängnis, und verlor es. Ich verzweifelte fast, als ich das, zurück in der Schweiz, realisierte, dieses Piercing war ein Teil von mir. Schliesslich wollte ich mir einen Ersatzring reinmachen. Irgendwie setzte ich das Vorhaben aber nie um, und dann beschloss ich, dass ich das als Zeichen werte, dass dieses Kapitel abgeschlossen ist, dass dieser Teil von mir für immer in Argentinien bleibt, und ich künftig ohne Piercing durchs Leben gehe. 

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

In einer kleinen, gemütlichen Wohnung mit Garten oder, wenn wir Glück haben, in einem eigenen kleinen, alten Haus mit Garten, zusammen mit meinem Freund. Vielleicht spiele ich dann Saxophon, male viel, mache Yoga im Garten, schreibe viel, gebe Kurse für Sozialpädagog*innen und Lehrpersonen, arbeite nach wie vor im Bereich Autismus. Vielleicht reisen wir gemeinsam nach Asien, vielleicht hat mein Freund dann einen Job mit einem Lohn, von dem er auch wirklich leben kann. Oder wir leben halt immer noch mit ähnlichem Budget wie jetzt.

Was machst du als Erstes, wenn du morgens aufstehst?

Entweder fluchen, weil ich verschlafen habe, oder aber mich innert einer Minute anziehen und ins Bad rennen.

Mit welchen drei Worten würdest du dich beschreiben?

Gutmensch mit Narben.

Was wünschst du dir zum Geburtstag?

Ein Segelschiff. Ansonsten: Gesundheit, Zufriedenheit, viel freie Zeit,  viele Momente, in denen ich Tränen lache, viele Momente, in denen ich schier platze vor Glück.

So, das wärs! Ich reiche den Award gerne weiter, und zwar einfach an genau ein Blog, nämlich dem vom „Baslermeitschi„.

Hier die Regeln:

Verlinke die Person, die dich nominiert hat.

Beantworte 10 Fragen, die dir vom Blogger gestellt wurden, der dich nominiert hat.

Nominiere bis zu fünf Blogs.

Informiere sie über die Nominierung.

Erstelle 10 eigene Fragen für die Nominierten.

Hier die Fragen an dich:

Was ist dein liebstes Kleidungsstück und warum?

Worauf bist du stolz?

Bloggst du heute anders als damals, als du damit angefangen hast? Wenn ja, was hat sich verändert?

Was wünschst du dir von ganzem Herzen?

Glück bedeutet für dich…

Was magst du lieber, Gewässer oder Berge?

Was ist dein absolutes Lieblingsessen?

Was bedeutet Musik für dich?

Worüber hast du in letzter Zeit so richtig lachen müssen?

Welche Jahreszeit magst du am liebsten und warum?

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