Welcome to MyBrain: Die Newsshow.

Was in meinem Kopf manchmal alles so abgeht, ist für alle ausserhalb meines Kopfes schätzungsweise schwer nachvollziehbar. Ich möchte daher die Gelegenheit beim Schopf packen und euch auf eine hoffentlich plastische Art und Weise einen kleinen Einblick gewähren.

My News, die Nachrichtenshow.

Nachrichtendame im Blazer: „Herzlich Willkommen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, zur heutigen Ausgabe von „My News“, der täglichen Nachrichtensendung, live vom zu bewandernden Grat. Heutige Themen in der Übersicht:

  • Aussenpolitik: Diplomatische Blockaden
  • Innenpolitik: Aufstand in der ZIP
  • Tagesgeschehen: Stromausfall
  • Wirtschaft: Die Börsenkurse
  • Das Wetter

Zur Außenpolitik: „Diplomatische Blockaden“, meine Damen und Herren, vermelden unsere Berichterstatter vor Ort zu den zähen Verhandlungen zwischen den beiden feindlichen Lager, der psychisch deutlich angeschlagenen My und ihrem beruflichen Umfeld. Doch schalten wir zu unserer Sonderkorrespondentin, Frau Sieglinde Freud, live vor Ort:

Sonderkorrespondentin Freud steht mit wirrem Haar und riesiger Hornbrille vor einem grossen Regierungsgebäude, ein enormes Mikrofon in den Händen:
„Diplomatische Blockaden, in der Tat, so der offizielle Terminus, den die beiden Parteien in einer Pressemitteilung als Bezeichnung für die zusehends zäheren Verhandlungen verwendet haben.“

Nachrichtensprecherin: „Wie ist diese Aussage zu werten? Sind die Verhandlungen gescheitert?“

Sieglinde Freud: „Nun ja, als „gescheitert“ würde ich die Verhandlungen im jetzigen Status noch nicht bezeichnen, noch gibt es keine Anzeichen auf einen definitiven Abbruch der diplomatischen Bemühungen, aber es ist schon spürbar, dass gerade die psychisch angeschlagene My doch sehr an die Grenzen des von der Gegenpartei verlangten Standards betreffend Sozialverhalten kommt. Noch könne sie diese Bedingungen einigermassen zufriedenstellend ausführen, gab sie bekannt, sollte die Gegenpartei, ihr berufliches Kollegium, ihr aber nicht in absehbarer Frist in markanten Punkten entgegen kommen, könne sie für nichts garantieren.“

Nachrichtendame, erschrocken: „Das klingt ja fast nach einer Drohung! Wie ernst ist die Lage, und worum geht es in den genannten „markanten Punkten“, Frau Freud?“

Sieglinde Freud, ernst, rückt sich die monströse Brille zurecht: „Es ist sicher nicht angezeigt, jetzt übermässig zu dramatisieren, aber doch denke ich, die Lage ist zIemlich ernst. Bei den „markanten Punkten“ handelt es sich um das umstrittene Paket „Smalltalk und im Mittelpunkt stehen“, das die psychisch angeschlagene My nicht zum ersten Mal in aller Form anprangert. Gerade zweiteres, das kontroverse „im Mittelpunkt stehen“, wurde heute angesichts eines unbedachten Süssgebäck-Mitbringsels in der Znünipause zulasten der psychisch angeschlagenen My doch wirklich aufs Äusserste ausgereizt. Es bleibt zu hoffen, dass die Gegenpartei auf die – durchaus als Drohung anmutenden – Forderung mit kühlem Kopf und diplomatischem Geschick reagiert.“

Nachrichtendame: „Und mit diesen hoffnungsvollen Worten verabschieden wir uns von Frau Sieglinde Freud, vielen herzlichen Dank für ihre Einschätzungen.“ Sieglinde Freud nickt knapp in die Kamera.

Nachrichtendame:

„Kommen wir zur Innenpolitik: Von einem Aufstand im oppositionellen Lager berichtet die Parteileitung der Zentralen Impulskontrollen-Partei ZIP. Es habe sich eine kleine, aber sehr laute Minderheit an motorischen und vokalen Ticks zusammengerottet, die sich offen gegen die Parteilinie stellen würde. Gar von „unkontrollierbaren Querschlägern mit latenter Gewaltbereitschaft“ spricht der konservative Fraktionspräsident Ruedi von der Norm:“

Einblendung eines Interviews: Ruedi von der Norm, in kleinkariertem Hemd und grosskarierter Krawatte, schnauft empört ins Mirkofon: „… unhaltbare Zustände. Was glauben die eigentlich, wer sie sind?! Wir von der ZIP vertreten klar, dass Impulse in gesitteter Art und Weise unterdrückt werden sollen. Solche Querschläger, die einfach austicken, wenn ihnen danach ist, wie sieht das gegen aussen bloss aus?! Ich sage Ihnen, wie das aussieht: Es sieht aus, als wären wir irre. Einen solche Entwicklung werde ich nicht tolerieren!!“

Nachrichtendame: „Soweit also das Statement von von der Norm. Wir machen weiter mit dem Tagesgeschehen: Ein grossflächiger Stromausfall in unserer Hauptstadt MyBrain hat zu Chaos und Schrecken geführt. Wir schalten live vor Ort zu unserem Sonderkorrespondenten Ver Peilt. Herr Peilt, wie ist die aktuelle Lage?“

Ver Peilt, ein hagerer Typ mit Halbglatze und apathischem Blick steht vor einem rauchenden Gebäude. Hinter ihm rennen Menschen panisch umher, man hört zersplitterndes Glas und wildes Geschrei. „Nun, die Lage ist, wie soll ich sagen. Schlafen. Was?! Beschädigte Leitungen. Ähem. Wie?“

Nachrichtensprecherin, lauter: „Herr Peilt! Ich habe sie gefragt: Wie sieht es denn aus in MyBrain, was ist da los?“

Herr Peilt, verwirrt: „Da kann man nichts machen. Nun. Kurzschluss. Was?! Vielleicht Sonntag?“

Ver Peilt wird ausgeblendet.

Nachrichtendame, mit sanft genervtem Unterton: „Wie Sie sehen, verehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, ist die Energiezufuhr in MyBrain offenbar immer noch gestört, so dass die Verbindung zu Herrn Peilt leider unterbrochen wurde *hustet*.

Aber nun zu den Börsenkursen: Immer noch wird die Börse vom global erschütterten emotionalen Gleichgewicht nachhaltig durchgeschüttelt. Der MyMarketindex legte in den letzten 24 Stunden eine beachtliche Achterbahnfahrt quer durch das ganze emotionale Spektrum hin und verzeichnet zu Börsenschluss einMinus von 463 Prozent. Es deutet wenig darauf hin, dass sich die Lage in den nächsten Stunden wieder stabilisieren wird.

Kommen wir zu erfreulicheren Themen: Dem Wetter. Frau Barometer, was erwartet uns in den nächsten Tagen?“

Frau Barometer steht auf dem Dach eines Hochbauses, ihre feuerrote Haarmähne wirbelt in den Windböen leuchtend umher, sie wankt leicht im Sturm und sie schreit tapfer gegen das Tosen an: „DAS RIESIGE HOCHDRUCKGEBIET, DAS ÜBER TAGE HINWEG IN DEN VERDREHTEN HIRNWINDUNGEN FESTGEHANGEN HAT, SCHEINT SICH NUN ENDLICH BEFREIT ZU HABEN UND ENTLÄDT SICH JETZT IN FORM EINES GEWALTIGEN STURMS MIT ZENTRUM ÜBER DEM ZU BEWANDERNDEN GRAT. IN DEN NÄCHSTEN TAGEN… “ Frau Barometer wird von einer besonders kräftigen Böe erfasst und fliegt mit wild flatternder Mähne davon. Die Kamera wird ausgeblendet.

Nachrichtendame, mit leicht geweiteten Pupillem: „Das war… das Wetter. So, und nun wünsche ich Ihnen einen angenehmen Abend, wir sehen uns morgen wieder, wenn es wieder heisst: Willkommen bei MyNews – oder auch nicht.“

 

4 Gedanken zu “Welcome to MyBrain: Die Newsshow.

  1. Eine sehr schöne Idee, die Inhalte seines Kopfes auf eine so witzige Art ud Weise darzustellen! Ich musste mehrmals lachen, als ich versucht habe MyNews auf meine Situation umzulegen. Ich denke bei mir würde das Wetter so schnell wechseln, dass Frau Barometer keine Chance hätte mit dem Berichten hinterherzukommen. 🙂
    Alles Liebe, Julia der Psycho 😉

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