Sackgesichts Erbe.

Es ist ein leidiges Thema, und vielleicht sollte ich einfach gar keine Zeit und Energie damit verschwenden, geschweige denn, Worte dafür suchen. Abr es lässt mich immer noch nicht ganz los. Diese Woche jährt er sich, der Tag, an dem ich zum ersten Mal überhaupt versucht habe, eine Freundschaft von einem auf den anderen Tag zu beenden. Oder besser gesagt, der Vorfall jährt sich, der dazu führte, dass ich das versuchte.
Ein Jahr ist das her, und sie kratzt immer noch an meinem Ego, die verheerende Verwechslung, der ich erlag, die wirklich immense Verwechslung von zwei ganz unterschiedlichen sozialen Intentionen. Während ich in meiner bodenlosen Naivität glaubte, von jemandem als Mensch gemocht zu werden, war es dann letztlich doch genau so, wie mein Freund mir das prophezeit hatte: „Du bist so naiv. [Hetero-] Männer ticken anders als Frauen. Männer versuchen schlicht und einfach, dich ins Bett zu kriegen.“ (Ich hatte ihm damals entrüstet entgegnet, er sei paranoid, und ich werde ihm nie unter die Nase binden, dass und wieso er recht hatte, der Umstand, DASS er recht hatte, genügt völlig.)

Ja, ich war naiv, und ich bin es wohl immer noch, denn nach wie vor verletzt es mich, dass ich mich derart geirrt hatte. Ich hatte wirklich gedacht, ich hätte eine Freundschaft gefunden, etwas, was in meinem Empfinden zum Kostbarsten und auch seltensten überhaupt gehört. Ich hatte wirklich gedacht, ich würde gemocht, ich hatte gedacht, ich sei interessant, lustig und liebenswürdig genug, dass mich jemand in sein Herz geschlossen habe, der zufällig nunmal männlich und hetero war. Bis zu jenem Abend, als er mich saublöd anzugraben versuchte und ich schockiert das Weite suchte.

Nach wie vor bin ich traurig und verletzt. Offensichtlich ging es nie um meine Persönlichkeit, sondern nur um meinen Arsch. Offensichtlich war das nie eine echte Freundschaft, sondern nur ein längerfristig angelegter Versuch, mich abzuschleppen. Ich finde kaum Worte für meine Enttäuschung. Ich hatte ihn wirklich gemocht und mir war nie in den Sinn gekommen, dass seine Intentionen irgendwie anders sein könnten als meine. Ich habe ihm viel von meinem Freund erzählt, und ich dachte wirklich, damit sei dieses Thema geklärt.

Später dann habe ich herausgefunden, dass Gerüchte kursiert hatten. Dass offenbar beobachtet wurde, mit wem ich mich gut verstehe, mit wem ich in meinen Pausen rede, mit wem ich auch in meiner Freizeit ab und zu mal abgemacht habe. Auch das schockierte mich ziemlich. Ich hätte nie gedacht, dass sowas irgendwen interessiert, ich hätte nie gedacht, dass mir da irgendwas unterstellt werden könnte, weil doch alle wussten, dass ich in festen Händen bin. Tja, man lernt dazu.

Sackgesicht selber hat ziemlich lange gebraucht, bis er realisiert hat, dass ich mit ihm nichts mehr zu tun haben will. Es mag auch an meinem ungeschickten Entfreundungs-Verhalten liegen. Aber schliesslich hat er es gerafft, denke ich. Die Freundschaft, die wohl nie eine war, ist endgültig begraben. Und obwohl sie nicht echt war, fehlt sie mir manchmal.

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