Blut.

Werte zarte Gemüter: Bitte wegklicken, das hier wird euch nur verstören.

Für alle andern: Ich habe noch mal nachgerechnet: Seit dem 2. Oktober habe ich wohl 5 Tage lang nicht menstruiert. (Ja, ganz recht, ich spreche hier von Menstruationsblut. MENSTRUATIONSBLUT!) Das ergibt ein doch beachtliches Verhältnis von 42 Tagen MIT Menstruationsblut zu 5 Tagen OHNE Menstruationsblut.

Wem die Erfahrung mit eigenem Mentruationsblut fehlt, dem sei an dieser Stelle versichert: Menstruationsblut ist wirklich nicht so toll, wie es vielleicht klingt. Mentruationsblut stinkt nämlich grauenhaft, zudem versaut es Klos, Tampons, Binden, und bei chronisch verpeilten Menschen wie mir auch mal Unterwäsche. Das wirklich Ätzende an dieser Sauerei sind aber die Begleiterscheinungen: Schmerzen, Erschöpfung, penetrantes Schwitzen, dadurch noch üblerer Gestank, noch mehr Schmerzen, noch mehr Erschöfpung.

Warum ich das unbedingt mit der Welt teilen muss? Nun, dieser dauerblutende Zustand hat, wer hätte das gedacht, durchaus einen Einfluss auf mein psychisches Befinden, und mein psychisches Befinden ist nun mal Thema dieses Blogs (und du bist selber Schuld, wenn du das liest, ätsch). Darüber hinaus wurde mir beim Nachdenken über diese Scheiss-Dauer-Bluterei (hervorgerufen übrigens durch hormonelle Verhütung, ich bin nicht krank oder so, keine Sorge) etwas wesentliches bewusst: Ich hatte sowas auch früher schon. Ich habe jahrelang mit Implanon verhütet und habe dabei manchmal 6 Wochen am Stück geblutet wie ein gestochenes Schwein (ICH blute nicht damenhaft tröpfchenweise, nein, bei mir gibts ein Massaker, alles andere wäre mir viel zu dezent) – aber dieser Umstand wurde mir erst sehr viel später bewusst. Ich meine damit, im besten Fall (und das meine ich so) war mir mit Mitte 20 vielleicht bewusst, dass ich gerade menstruiere (und darum Tampons etc. benötige), aber ich war mir wohl kaum je bewusst, wie lange das schon so war. Ich zählte nie die Tage, ich dachte darüber nicht nach, ich war ja schon froh, wenn ich mir nicht unabsichtlich die Kleider verblutete. Ich kann mich, um die Schilderung noch drastischer zu machen, daran erinnern, wie ich beim Entfernen eines Tampons verdutzt feststellte, dass ich noch einen zweiten da stecken hatte – und das passierte mir nicht nur einmal.

Das, meine tapferen Leser, nennt man „mangelndes Körpergefühl“, gepaart mit einem mangelnden Bewusstsein für körperliches Befinden. Ich konnte ja, um den Vergleich zum psychischen Befinden zu machen, mit Anfang 20 meiner Psychiaterin auch nicht sagen, wie es mir „in den letzten 3 Wochen so gegangen ist“, ich konnte ihr nur sagen, wie es mir im Moment gerade ging. Mir fehlte die Übersicht, mir fehlte ein Bewusstsein für mein psychischen Befinden und eine darauf aufbauende Reflexion. Dass mir dieses Bewusstsein in Bezug auf mein körperliches Empfinden ebenfalls lange Zeit fehlte, das habe ich erst in den letzten Jahren gelernt.

Anhand der ganzen ekligen Blut-Geschichte merke ich, dass sich meine Körperwahrnehmung positiv verändert hat. Auch wenn mich die Dauer-Menstruation extrem ankotzt, wenigstens merke ich, was mit mir passiert. Ausserdem bin ich viel selbstbewusster geworden. Ich hätte früher nie im Leben öffentlich von meiner Menstruation erzählt, ich hätte mich zu sehr geschämt. Mittlerweile habe ich es satt, solche Themen zu tabuisieren. Ich habe es mir nicht ausgesucht, mindestens einmal pro Monat zu bluten und zu stinken. Das war eine Laune der Natur. Warum soll ich mich also dafür so schämen, dass ich „Menstruationsblut“ nicht einmal laut ausspreche?
Auch über meine mangelnde Körperwahrnehmung und das mangelnde Bewusstsein über körperliche Vorgänge habe ich mich früher geschämt. Ich war vielleicht verpeilt, aber nicht so doof, dass ich nicht gecheckt hätte, dass mit mir etwas nicht stimmt. „Mein Gott, du hast es ja schon nicht im Griff“, kommentierten meine Freundinnen, wenn sie mitkriegten, wie hilflos ich der Menstruation ausgeliefert war. Nein, ich hatte es nicht im Griff, es hatte mich im Griff.

Mittlerweile ist vieles besser, sei es im Bereich Wahrnehmung, sei es im Bereich Bewusstsein, aber richtig warm werde ich mit dieser Bluterei wohl nie. Schon gar nicht, wenn sie zum Dauerzustand wird.

2 Gedanken zu “Blut.

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