Input und Output.

Viele Menschen, ich gehöre dazu, ziehen sich in Zeiten von Stress und Anspannung zurück. Ebenfalls häufig führt das dazu, dass diese Menschen weniger reden, weniger von sich preis geben, weniger „Output“ haben, nur noch „Inputs“ von Aussen aufnehmen oder registrieren, ohne darauf sichtbare Reaktionen zu äussern. Da unterscheide ich mich vom Schnitt. Bei Anspannung, und ich würde fast behaupten, ich hab den Ehrendoktor in dieser Disziplin, deaktiviert meine innere Krisen-Automatik sämtliche Input-Kanäle bis auf ein paar wenige lebenserhaltende Warnfunktionen wie „oh, ein riesiger Lastwagen braust in enormem Tempo auf mich zu“ oder „oh, Feueralarm, raus hier.“ Was nun folgt, ist die grosse Stunde der Output-Abteilung. Ich neige in der Regel (das heisst: ohne Psychose) auch in diesem Zustand nicht dazu, übermässig viel zu reden, ich habe andere Wege, mein Inneres, das so voll ist, dass ich schier platze, nach aussen zu transportieren. Ich schreibe, ich male, ich schreibe, ich schreibe.

Lesen, fernsehen, mich mit den Gedanken oder Erlebnissen anderer Menschen zu beschäftigen fällt mir dagegen schwer. Ich bin zu sehr mit meiner eigenen Spannung beschäftigt, mit meinem Erleben, mit dem Kaschieren meines Zustands, damit, den Überdruck in mir, der brodelt und zischt wie bei einem Dampfkochtopf, möglichst unauffällig zu regulieren.

Genauso fühlt sich meine Welt gerade an. Ich kann schreiben, hier, zum Beispiel, ich kann von mir erzählen, rauslassen. Was gerade nicht geht, ist lesen, andere Blogs zum Beispiel. Es ist Wochen her, dass ich „meine“ Blogs nachgelesen habe, dass ich Anteil nahm am Leben anderer Menschen, die ich zwar nicht persönlich kenne, mir deswegen aber trotzdem nicht gleichgültig sind.

Ich will nicht sagen, dass es mir schlecht geht im Moment. Es geht mir nach wie vor sehr gut. Aber ich bin angespannt. Ich habe viel erreicht in den letzten zwei Jahren, und manchmal führt das dazu, dass ich und mich überschätze, überfordere, meine Ziele immer höher stecke, plötzlich denke und wünsche, dass ich fast alles erreichen kann, was ich mir vornehme. Gerade im beruflichen Umfeld erwarten auch andere von mir stetig mehr, plötzlich kommen soziale Verpflichtungen und Erwartungen dazu, man sieht in mir Potenzial, um bei allerlei kreativen Projekten mitzumachen, man lädt mich ein zum Feiern, zu kulturellen Anlässen, zum Vertiefen von Kontakten. Ich enthülle nach und nach mehr von meiner Person im beruflichen Umfeld, meine Unnahbarkeit und Distanziertheit schmilzt, ich mache mich angreifbarer und verletzlicher.

Es bleibt zu hoffen, dass sich das Ganze nicht zuspitzt. Dass der grosse Crash bei diesem Höhenflug mal ausbleibt, dass ich die innere Spannung wieder ausgleichen kann, dass der Dampfkochtopf nicht explodiert. Dass ich wieder aufnahmefähig werde, dass ich wieder Blogartikel lesen kann, dass ich wieder Kapazitäten für das Leben und die Befindlichkeiten meiner Mitmenschen habe.

Ich bin nicht gleichgültig oder empathielos. Ich bin nur manchmal mit mir selber absolut ausgelastet.

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