Küsschen, Küsschen, (Küsschen?!).

Garantiert bin ich seltsam und die grosse Mehrheit normal, aber: Ich hasse Küsschen. Nicht die richtigen Küsse, wohlgemerkt, also die mit Zunge und allem, wobei ich da relativ konservativ bin und sowas nur mit meinem Freund austausche.

Alles andere aber, das mit Lippenberührungen, Schmatzgeräuschen und VIEL ZU VIEL Körperkontakt zu tun hat, finde ich daneben. Natürlich ist sowas sehr verbreitet, die ungeschriebene Regel für soziale Kontaktaufnahme verlangt in vielen Fällen:

Man trifft sich, „oh, hallo“, kommt sich auf Kopfhöhe gefährlich nahe, muss dabei das ungewollte Zusammenstossen von Wangenknochen und Unterkiefern tunlichst vermeiden, berührt im besten Fall nur mit der eigenen die fremde Wange, macht aber mit den Lippen brav Schnappgeräusche, dann, zumindest im Bernbiet, wechselt man flugs die Seite, was koordinativ wieder anspruchsvoll wird, da erneut Kollisionsgefahr mit diversen Gesichtsteilen besteht, wiederholt die Wangenkollision, um dann wieder im freien Flug auf die erste Wange zuzusteuern und endlich das dritte dieser wunderbaren „Küsschen“ hinter sich zu bringen.

Natürlich birgt dieses befremdliche Ritual allerlei Raum für unangenehme Patzer. Nicht nur die erwähnten Kollisionen von Gesichtsknochen sind dabei zu umschiffen, nein!, es gibt auch noch deutlich schlimmeres.

Da sind zum Beispiel Küsschen-KooperationspartnerInnen, die – die Harmloseren ungewollt, die Verstörenderen sehr gewollt – nicht mit ihrer Wange die eigene anpeilen, sondern tatsächlich ihren Mund mitten auf die Backe drücken – ich meine, hallo?! – und schlimmstenfalls auch noch schmatzend aufdrücken (besonders toll, wenn dieser auch noch grosszügig mit Lippenstift zugekleistert ist).

Da gibt es Küsschen-KooperationspartnerInnen, die das Ritual noch zusätzlich verkomplizieren, indem sie ihr Gegenüber zu allem Überfluss auch noch an sich drücken – die daraus unendlich variablen entstehenden Pannenmöglichkeiten angesichts der diversen involvierten Körperteile wie Arme, Hände, Ellbogen, Schultern, oder gar, bewahre, Oberkörper inklusive Männer- und Frauenbrüsten, aber auch Füsse, Beine, etc., muss ich ja wohl nicht ins Detail ausführen.

Da gibt es Küsschen-KooperationspartnerInnen, die stammen aus einer anderen Region oder einem anderen sozialen Umfeld, die haben, um das Ganze noch schlimmer zu machen, eine andere Abfolge für das Ritual im Kopf. Nur zwei „Küsschen“, beispielsweise, oder nur eines, oder aber sie gehen davon aus, dass man sich erst so richtig umarmt (meine Güte!), wobei einige davon eine Umarmung mit „Armen, Schultern, Kopf links oder rechts randrücken“, andere aber gnadenlos mit „Ganzkörperrandrücken, woohoo! Wir haben uns doch lieb“ definieren. Nach dem Gedrücke von mehr oder weniger intimer Körperteile kann dann wieder eine der unzähligen „Küsschen“-Variationen folgen, und das schlimmste an all diesen Variationen ist ja wohl das Folgende:

Allesamt gehen diese Menschen davon aus, dass man das selbe Skript befolgt, dass man „weiss“, wie diese merkwürdige Form von Körperkontakt ablaufen soll, und zwar, ohne je darüber zu reden!

Ich hasse Küsschen, wie vielleicht aus diesem Text ersichtlich ist, und besonders hasse ich nicht nur den meiner Ansicht nach völlig übertriebenen Körperkontakt, sondern auch, dass ich nie weiss, was mein Gegenüber von mir erwartet, bzw. welche spezifische Variante dieses Rituals nun gerade gefragt und präsentiert wird.

Nun will ich ja in der Regel nicht auffallen und spiele je nachdem halt einfach mit, auch wenn es mich befremdet und irgendwie ekelt, aber es hat alles seine Grenzen.

Ein kleines Beispiel aus der Praxis: Bei einem Spieleabend mit Arbeitskollegen wurde ich bereits an der Tür mit der ersten Küsschen-Tortur überrumpelt, wobei mein Gegenüber ganz offensichtlich NICHT das selbe Skript im Kopf hatte wie ich, was zu diversen Peinlichkeiten führte. Spätestens beim Aufkreuzen der nächsten Arbeitskollegin, die ebenfalls mit dem Küsschen-Manöver startete, war ich gewappnet: Demonstrativ schnellte meine ausgestreckte Hand nach vorne, ein alter Trick, um das Gegenüber automatisch auf den Abstand einer Armlänge zu halten. Beim Verabschieden wandte ich die selbe Taktik an, wobei ich einige merkwürdige Blicke kassierte. Ich möchte eigentlich gar nicht wissen, was meine ArbeitskollegInnen in dieser Hinsicht von mir denken, aber falls sie denken, dass ich total aufs förmliche Händeschütteln stehe, liegen sie auch damit falsch – ich hasse nämlich auch das, inbrünstig sogar, aber alles, wirklich alles ist besser als diese Geschlabber-Wangen-Geschramme.

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2 Gedanken zu “Küsschen, Küsschen, (Küsschen?!).

  1. Du bist nicht alleine 🙂 Das ist rihtig gut geschrieben. Ich hasse das auch. Auch ein Stressfaktor ist, wenn einer noch eine Brille trägt und andere „Abfolgen“ hat 😉
    Am liebsten sind mir die, die es akzeptieren, keine Umarmung, kein Kuss und auch keine Hand und gegnügend Abstand!!!!
    LG desweges

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